Um Viertel nach sieben stand er da. Braun-weiß, mittelgroß, kein Halsband. Er setzte sich an dieselbe Stelle am Ende des Bahnsteigs, blieb etwa vierzig Minuten und ging dann wieder.
Das ging sieben Monate so. Und weil Menschen Geschichten brauchen, gab es nach kurzer Zeit eine: Der Hund warte auf sein Herrchen, das gestorben sei. Jemand schrieb es auf einen Zettel und klebte ihn an den Fahrkartenautomaten.
Die Erklärung
Der Hund gehörte einer Frau, die drei Straßen weiter wohnte. Er war nicht herrenlos, nicht verwaist und wartete auf niemanden. Er hatte eine Angewohnheit entwickelt.
Der Kiosk am Bahnsteig hatte zwei Jahre lang jeden Morgen Reste ausgegeben. Der Hund kam, bekam etwas, ging. Der Kiosk schloss im Frühjahr. Der Hund kam weiter.
Er hat nicht getrauert. Er hat gehofft, dass es wieder aufmacht. Das ist ein Unterschied, auch wenn es von außen gleich aussieht.
Warum die falsche Geschichte hielt
Die Halterin sagt, sie habe mehrfach versucht, es zu erklären. Es habe nichts geändert. Der Zettel blieb hängen, Leute fotografierten den Hund, jemand legte Blumen hin.
Im Herbst hörte er von selbst auf. Nicht abrupt, sondern in Etappen: erst unregelmäßig, dann seltener, dann gar nicht mehr. Der Zettel hing noch bis in den Winter.
Die Halterin sagt, sie sei froh, dass er aufgehört habe. Nicht wegen der Aufmerksamkeit — sondern weil ihr Hund sieben Monate lang jeden Morgen enttäuscht wurde und es nicht verstand.






